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Körperbandagen im Pferdetraining

05.08.2020

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 6 der Artikel-Serie "Muskelaufbau beim Pferd"

Artikelserie "Muskelaufbau beim Pferd"

Der Traum eines jeden Reiters ist ein gut bemuskeltes, kraftvolles Pferd. Es gibt kaum einen Reiter, der nicht das Ziel "Muskelaufbau" verfolgt - das Thema ist omnipräsent und jeder gibt seine Erfahrungen zum Besten.
Dabei ist doch jedes Pferd einzigartig - neben der sportlichen Ausrichtung sind auch der Charakter des Pferdes sowie Fütterung und viele weitere Aspekte für gesunden und effektiven Muskelaufbau relevant.

Wenn du weitere Ideen, Fragen oder Anregungen hast, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen, dann werde ich das demnächst in einem Beitrag vertiefen.


Im Pferdetraining ist man permanent auf der Suche nach den pferdefreundlichsten, effektivsten Ausbildungsmitteln, die das Training vereinfachen und dem Ausbilder Arbeit abnehmen. Die Körperbandagen könnten so ein Kandidat sein - sie fördern die Hinterhandaktivität und helfen dadurch, den Rücken aufzuwölben. Außerdem bieten sie als physische Stütze Stabilität und können so den Muskelaufbau erheblich erleichtern.

Wie unterstützen Körperbandagen das Pferd?

Körperbandagen sind nichts Neues, und doch scheinen sie aktuell einen kleinen Boom zu erleben. Das ist schön, finde ich, denn anders als Ausbinder schaden sie dem Pferd nicht, sondern unterstützen ehrlich und effektiv beim Training.

Durch die Bandagen hat das Pferd mehr Körperbewusstsein, es spürt mehr von sich und kann auch die Bewegungen im Körper besser erspüren. Aus diesem Körpergefühl folgt unter anderem eine bessere Hinterhandaktivität: Die Pferde spüren beim Nach-Hinten-Führen des Hinterbeins den Widerstand der Bandage und Führen das Bein so ein wenig früher nach vorne. Dadurch haben sie mehr Zeit zum Untertreten und nehmen hinten mehr Last auf. Das Ganze funktioniert ohne Schmerzen oder anderen Druck, die Bandagen dienen eher als "Erinnerung" und da sie dehnbar sind, stören sie das Pferd nicht in seinen Bewegungen.

Eigenes Beispiel

Rechtsklick auf das Bild und auf "Grafik anzeigen", damit es größer wird ;).

Mit Körperbandagen läuft das Pferd anders als ohne.Auf den beiden Fotos kann man den Unterschied schön sehen. Bolero tritt aktiver unter und hat mehr Schwung, er ist insgesamt fleißiger und tritt koordinierter. Außerdem helfen die Körperbandagen beim Aufwölben des Rückens und bieten ihm vermehrt Stabilität in den Übergängen, die bei ihm aktuell wirklich noch sehr holprig sind... Gerade vom Galopp in den Trab helfen die Körperbandagen sehr dabei, stabil zu bleiben und nicht "auseinander zu fallen".

Insgesamt kann ich beobachten, dass er fleißiger vorwärts geht. Bei einem anderen Pferd konnte ich beobachten, dass es die Hinterbeine nicht mehr so durch den Dreck schleift sondern besser anhebt.⁠

Welchen konkreten Effekt haben die Bandagen im Training?

Der Effekt kann je nach Baustellen und Bewegungsmuster sehr unterschiedlich sein, so kann zum Beispiel eine schleifende Hinterhand "abtrainiert" werden, ein Hängerücken kommt langsam wieder hoch, das Pferd vergisst weder in Versammlung noch in der Verstärkung die Hinterbeine, die Seitengänge werden bewusster, das Pferd tritt besser unter usw. Auch mehr Fleiß, eine bessere Versammlungsfähigkeit und generell eine bessere Aufrichtung mit guter Körperspannung sind positive Effekte.

Letztendlich ist das große Ergebnis mehr Körperbewusstsein und dadurch ein lockereres, aktiveres Laufen mit mehr Balance⚖️⁠

Wie lange sollte man die Bandage benutzen?

Die Körperbandage sollte die ersten paar Male nur kurz benutzt werden, da der Effekt nicht zu unterschätzen ist. Auch wenn äußerlich vielleicht kaum etwas sichtbar ist, innendrin arbeitet es ganz schön! Erst wenn das Pferd die Muskulatur langsam zulegt und nicht direkt Erschöpfungsanzeichen zeigt (Stolpern, langsameres, unmotiviertes Vorwärts, sehr tiefer Kopf, fehlende Körperspannung), darf das Arbeitspensum erhöht werden. Ein Maximum gibt es nicht, und ein Gewöhnungseffekt konnte bisher nicht festgestellt werden. Anfangs reichen 5 Minuten mit den Bandagen, die kann man einfach ins Training einbauen.

Wofür kann ich die Körperbandagen verwenden?

Zu allem, was du sonst auch machst. Sie sind optimal, um den Muskelaufbau anzuregen. Möglich ist zum Beispiel, wie auch in dem Bild zu sehen, die Stangenarbeit. Das ist dann doppelt anstrengend. Auch in der Handarbeit sind die Bandagen super, beim Longieren ebenso, auch beim einfachen Spazierengehen kann man sie anwenden und auch in der Freiarbeit. Also in allen "Alternativen zum Reiten" (da gibt´s 30 Stück von!) Und natürlich kann man sie auch zum Reiten nutzen, wie du sie festmachst, erkläre ich dir jetzt. :)

Was für Bandagen nutzt du?

Ich nutze zwei klassische Elastikbandagen, die in jedem Pferdeladen zu finden sind. Es gibt auch teure "Hinterhandbandagen", Elastikbandagen funktionieren aber genauso gut und sind deutlich flexibler einsetzbar. Bitte nutze keine normalen Bandagen ohne Elastikanteil, die können nicht nachgeben und werden so sehr unangenehm...
Wichtig ist eine langsame, schonende Gewöhnung an die Bandagen, manche Pferde finden das ziemlich gruselig. Anfangs also nur dran schnuppern lassen, vielleicht schon mal über den Rücken legen etc. Jeder kennt sein Pferd am besten und weiß, wie er da gut rangehen kann.

Übrigens: Man kann solche Bandagen auch super am Menschen zur Verbesserung des Sitzes nutzen, das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Wie binde ich am besten?

Meine Technik

Ich habe mich für die im Bild Sichtbare entschieden, sie war für uns einfach am praktischsten. Wir binden nach Tellington, zumindest im Groben. Ich habe mir mehrere Interviews, Videos und auch Beiträge auf Instagram angesehen und daraus etwas mitgenommen.

Eine Bandage lege ich vorn um die Brust und knote sie über dem Widerrist zusammen. Die andere wird um die Hinterhand gelegt. Dann wird sie links und rechts unter den Rippenköpfchen verknotet. Dadurch sitzt sie sicher und verrutscht nicht. Das ist vor allem in der Longenarbeit praktisch, da auf der Bandage nur kurzzeitig Zug ist und danach liegt sie recht locker, da das Hinterbein nach vorn schwingt. Eine schlecht sitzende Bandage rutscht dann immer weiter nach unten...
Der kleine Knoten am Widerrist stört Bolero kein bisschen und die Bandagen scheuern auch nicht.

Am Sattel oder Longiergurt

Am Sattel oder Longiergurt kannst du Körperbandagen auch festmachen. Dafür benötigst du, logischerweise, nur eine statt zwei Bandagen. Du knotest die Enden entweder an die hintere Gurtstrippe (beim Sattel) oder in zwei gegenüberliegende Ringe (Longiergurt). Probier einfach aus, welche Position am besten funktioniert. Die Bandage darf nicht nach unten oder oben rutschen.

Über dem Widerrist

Genau wie bei meiner Technik wird eine Bandage um die Brust gelegt und über dem Widerrist geknotet. Die zweite Bandage wird dann um die Hinterhand geführt und ebenfalls über dem Widerrist geknotet. Ob das für dein Pferd angenehm ist, musst du selbst ausprobieren. Bolero mochte das nicht, der Knoten wird auch ganz schön groß und könnte für Verspannungen sorgen...

Wo genau muss eine Körperbandage sitzen?

Wo sitzt eine Körperbandage?

Die Bandage wird um die Hinterhand gelegt, etwa eine Handbreit unter dem Sitzbeinhöcker (rotes Kreuz). Auf dem Bild sitzt sie ein wenig zu tief. Bei meiner Technik wird sie anschließend links und rechts unter den Rippenköpfchen (gelbe Linie) verknotet.

Wichtig ist, dass das Pferd keinerlei Schmerzen anzeigt oder anderweitig Unwohlsein verkündet. Die Bandage soll nicht in der Bewegung einschränken, sondern unterstützen!

Kategorien: Pferdegerecht | Schlagworte: Longieren, Muskelaufbau, Reiten, Trainingsimpulse

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