Zurück zur Übersicht

Häufige Gründe, weshalb dein Pferd keine Muskulatur aufbaut

21.06.2020

Dieser Beitrag ist Teil 4 von 6 der Artikel-Serie "Muskelaufbau beim Pferd"

Artikelserie "Muskelaufbau beim Pferd"

Der Traum eines jeden Reiters ist ein gut bemuskeltes, kraftvolles Pferd. Es gibt kaum einen Reiter, der nicht das Ziel "Muskelaufbau" verfolgt - das Thema ist omnipräsent und jeder gibt seine Erfahrungen zum Besten.
Dabei ist doch jedes Pferd einzigartig - neben der sportlichen Ausrichtung sind auch der Charakter des Pferdes sowie Fütterung und viele weitere Aspekte für gesunden und effektiven Muskelaufbau relevant.

Wenn du weitere Ideen, Fragen oder Anregungen hast, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen, dann werde ich das demnächst in einem Beitrag vertiefen.


Muskelaufbau schön und gut - aber das Pferd baut einfach nicht auf? Egal, wie oft man es bewegt, egal, wie viel man macht, egal, ob es das neuste High-Tech-Aufbaufutter bekommt?

Wenn der Muskelaufbau scheitert oder sogar Abbau stattfindet, kann das sehr vielfältige Ursachen haben. Die häufigsten habe ich dir hier zusammengestellt, inklusive Checkliste, damit du sicherstellen kannst, ob dein Pferd von einem dieser Gründe "betroffen" ist.

Untergewicht

Heutzutage sind eher dicke Pferde zu finden, Massen an Hafer oder üppige Wiesen sorgen dafür, aber auch Untergewicht ist vereinzelt anzutreffen - und wird schnell zum Problem. Ein bisschen sichtbare Rippen bei blütigen Pferden sind nicht weiter schlimm, aber bei zu wenig Gewicht bauen die Vierbeiner letztendlich Muskelmasse ab, um sich z.B. im Winter warmzuhalten.

Deshalb ist die erste Bedingung für erfolgreichen Muskelaufbau eine gute körperliche Verfassung und ruhig ein bisschen Fett auf den Rippen (aber auch wieder nicht zu viel, du kennst die Problematik).

Wichtig ist beim Auffüttern, dass nicht einfach 3kg Hafer reingestopft werden, sondern eine schonende und vor allem gesunde Gewichtszunahme erfolgt, also mit viel hochwertigem Heu und kleinen Kraftfutterrationen gearbeitet wird.

Dein Pferd könnte untergewichtig sein, wenn...

  • die Rippen deutlich sichtbar sind
  • die Kruppe eher flach statt schön geschwungen ist
  • die Flanken eingefallen sind
  • sich die Schenkel unter der Schweifrübe nicht berühren
  • die Hüftknochen herausstehen
  • eine Kuhle auf Höhe des ISG zu sehen ist

Auch starkes Übergewicht kann Muskelaufbau verhindern, da schwere Pferde ihr zusätzliches Gewicht mitschleppen müssen und dadurch meist eher wenig Agilität und Bewegungsfreude mitbringen, die zum Muskelaufbau essentiell sind.

Verspannungen

Wenn das Pferd einfach nicht zunehmen will, oder auch in einem ganz bestimmten Bereich einfach keinerlei Muskulatur wächst, dann könnte es an einer Verspannung leiden...

Dabei zieht sich der Mukel dauerhaft zusammen und verbraucht dadurch massiv Energie, die dem Körper dann für andere Dinge fehlt. Wenn dein Pferd also ohne Ende Futter bekommt, aber einfach nicht zunimmt, solltest du eine/n Osteopathen/in um Hilfe bitten.

Achtung: Dauerhaftes Untergewicht kann auch andere Ursachen haben, so zum Beispiel Nährstoffmangel oder  Würmer.

Aber: Ein verspannter Muskel kann auch nicht aufgebaut werden, da er nicht arbeiten kann. Durch die Verspannung kann er sich nicht an- und entspannen und wird dadurch nicht trainiert. Infolgedessen können auch Schonhaltungen entstehen!

Zeichen für eine Verspannung (kleine Auswahl):

  • Schmerzempfindlichkeit an bestimmten Stellen
  • Verweigerung bestimmter Bewegungen (z.B. Trabverstärkung, Galopp, ...)
  • Probleme beim Stellen
  • Probleme bei der Lastaufnahme
  • unklares / ungewöhnliches Gangbild
  • Untergewicht ohne erkennbare Ursache und Futter hilft nicht / nur wenig
  • nur an einer bestimmten Stelle kein Muskelaufbau

Im Zweifel solltest du immer den Osteopathen deines Vertrauens zurate ziehen.

Nährstoffmangel

Wenn wichtige Nährstoffe wie Zink, Selen oder Magnesium fehlen, kann das komplexe Stoffwechselsystem eines Pferdes nicht mehr korrekt arbeiten. Dadurch können Probleme im Muskelstoffwechsel entstehen, die dann den Muskelaufbau verhindern.

Auch können fehlende "Bausteine" wie die essentiellen (nicht vom Körper herstellbaren) Aminosäuren daran schuld sein, wenn das Pferd einfach nicht aufbauen will. Diese kann man über spezielle Zusatzfutter oder auch über natürliche Produkte zufüttern, beispielsweise Hanfsamen oder einfach eine abwechslungsreiche Kräuterwiese.

Mineralstoffmängel kannst du am besten mit einem Blutbild oder einer Haaranalyse aufdecken. In einem Blutbild wird jedoch nur ein kurzer Ausschnitt gezeigt und es können erst sehr fortgeschrittene Mängel erkannt werden. Mit einer Haaranalyse kannst du Mineralstoffmängel frühzeitig erkennen und sie ist insgesamt unabhängiger von der Entnahmezeit der Probe, da der Mineralgehalt der Haare nicht temporär wechselt.

Beispielhafte Symptome eines Zinkmangels:

  • schwaches Immunsystem
  • Leistungsdefizite
  • Hautprobleme wie Mauke, Schuppen oder Haarausfall
  • verzögerter Fellwechsel und stumpfes Fell
  • langsamere Wundheilung
  • schlechte Futterverwertung

Zunehmendes Alter

Ab etwa 18-20 Jahren gelten Pferde als Senioren. Werden sie nicht weiterhin regelmäßig bewegt und gut versorgt, bauen sie mit der Zeit Muskulatur ab, da der Stoffwechsel nicht mehr so leistungsfähig ist. Sollte dein Pferd also zu der Kategorie Senioren gehören, könnte da das Problem für die fehlende Muskulatur sitzen.

Aber keine Sorge, auch einen Senioren kann man mit Geduld und geeignetem Training und Futter wieder auftrainieren, es dauert nur einfach länger als bei den Jungspunden!

Falsches Training / Falsche Haltung

Es kann so einfach sein - auch falsches Training kann den Muskelaufbau verhindern. Ich werfe dafür zwei Worte in den Raum: "Pausen" und "freie Bewegung". Wenn dich das interessiert, dann schau dir meinen Blogbeitrag "10 Tipps für effektiven Muskelaufbau" an!

Falsche Ausrüstung

Auch hierzu habe ich in meinem Blogbeitrag zum Muskelaufbau bereits etwas geschrieben, aber ich gehe hier dennoch nochmal darauf ein: Unpassende Sättel oder ungeeignete Trensen können einen großen Einfluss auf das gesamte Pferd haben.

Denn, wenn es sich nicht wohlfühlt, wird es weniger vorwärts gehen wollen und somit auch z.B. nicht schön "über den Rücken" gehen. Damit es sich also wohlfühlt und gerne mit uns arbeitet, braucht es passendes Equipment, das in regelmäßigen Abständen durch einen Fachmann/Fachfrau kontrolliert und ggf. angepasst wird.

Manche Pferde laufen mit Gebiss im Maul auch wie eine Giraffe, auch das ist natürlich nicht förderlich, denn so kann es den Reiter nicht tragen... Bei solchen Pferden rate ich gerne, es einfach mal gebisslos zu probieren. Sicherlich, gebisslos reiten ist nicht für jeden perfekt, aber oft kann es helfen! (Ich habe einige Artikel zum gebisslosen Reiten geschrieben, wenn dich das interessiert, klick oben rechts auf "Suche" und such nach "gebisslos"!)

Manche Pferde kommen auch partout nicht mit einem englischen Sattel klar und blühen dann beim Westernsattel total auf - Geschmäcker und auch Körperbau sind bekanntlich verschieden!

Zeichen, dass etwas mit dem Equipment nicht stimmt:

  • der Sattelabdruck ist am Pferd sichtbar, auch wenn er nicht draufliegt (gemeint ist nicht das Schweißbild)
  • tiefe Kuhlen hinter dem Schulterblatt oder auch mitten im Rückenmuskel
  • das Pferd drückt beim Satteln oder Reiten den Rücken weg, ist zappelig, reißt den Kopf hoch, legt die Ohren an, kickt oder hat ein Schmerzgesicht (zusammengekniffene Augen, große oder auch sehr kleine Nüstern, Sorgenfalte über dem Auge)
  • beim Trensen spielt das Pferd Giraffe oder versucht, sich dem Gebiss zu entziehen
  • legen aufs Gebiss, einrollen
  • steigen, buckeln, durchgehen, Hilfenverweigerung, immer-schneller-werden beim Arbeiten
  • das Pferd sagt "Nein"

Stoffwechselstörungen

Oft unterschätzt werden Stoffwechselprobleme beim Pferd, denn sie bleiben meist unerkannt. Schon auftretende Mauke, Kotwasser, Durchfall, verzögerter Fellwechsel oder Allergien (nicht zuletzt das Sommerekzem) deuten auf Stoffwechselstörungen hin und sollten umgehend behandelt werden.

Langfristig greifen Stoffwechselstörungen den gesamten Körper an, was sich dann in Muskelabbau, Untergewicht oder Verspannungen äußert. Die Tiere stecken so viel Energie in diese Baustellen, dass für neue (oder sogar schon vorhandene) Muskulatur einfach nichts mehr übrig bleibt...

Da dieses Thema unglaublich vielfältig ist, kläre lieber mit deinem Tierarzt etwaige Symptome ab!
Einige Symptome können sein:

  • Kotwasser
  • Durchfall
  • Gähnen
  • Aufgasen
  • verzögerter Fellwechsel
  • Mauke, Rehe, Strahlfäule, ... (Immunschwäche)
  • zu viel / zu wenig Gewicht
  • unnormale Atmung
  • dicke Beine

Zeit

Der wichtigste Faktor beim Muskelaufbau, wenn alle anderen Dinge erfüllt sind, ist Zeit. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, und genauso wenig bauen Pferde Muskeln innerhalb weniger Tage auf. Je nach Pferdetyp, Futterzustand, Futterqualität, Trainingsqualität, Alter und Vorgeschichte kann es sich um Monate oder sogar Jahre handeln, bis der gewünschte Zustand erreicht ist.

Pferde bauen von Natur aus sehr viel schneller Muskeln auf als Menschen, und bauen auch nicht so schnell ab wie wir. Trotzdem ist der Muskelaufbau ein sehr langwieriges Thema, dem man viel Zeit und Geduld widmen muss.

Gib nicht gleich auf, wenn du nach 3 Wochen noch keine Veränderung siehst! Wenn alle oben genannten Dinge abgeklärt sind, wird das Ergebnis nicht lange auf sich warten lassen! Der Weg ist das Ziel! :)

Hier habe ich mir einige Anregungen für diesen Beitrag geholt.

Kategorien: Pferdegerecht | Schlagworte: Fütterung, Immunsystem, Muskelaufbau, Reiten, Trainingsimpulse

Beitrag kommentieren

Hey! Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern.
Indem du hier fortfahrst, stimmst du der Nutzung von Cookies automatisch zu.
Ganz viel Liebe, Toni und Bolero💞

Folgende Cookies zulassen:

Alle akzeptieren

Ich möchte mehr Informationen!


Welche Cookies werden gesetzt?

Notwendig
PHPSESSID Behält die Einstellungen der Seite des Benutzers bei allen Seitenanfragen bei.
robin_marketing_popup Sorgt dafür, dass das Marketing-Popup nicht bei jedem Seitenwechsel erneut aufpoppt.
dwa_cookie_noticed Speichert die Einwilligungen zu den Cookies für ein Jahr. Dieser Cookie kann zurückgesetzt werden, wenn die Einwilligung entzogen werden soll.
Statistik
_pk_id Matomo - Cookie zum Speichern einiger Details über den Benutzer, z. B. der eindeutigen Besucher-ID (anonymisiert), notwendig zum Zählen wiederkehrender Besucher. - Speicherdauer 13 Monate
_pk_ses Matomo-Cookie zur Speicherung Sessionabhängiger Nutzerdaten - Speicherdauer 30 Minuten

Kostenloses E-Book: Der richtige Kappzaum für mich und mein Pferd