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Vergiftung bei Pferden - Symptome, Behandlung, Prävention

26.08.2020

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 4 der Artikel-Serie "Erste Hilfe"

Artikelserie "Erste Hilfe"

"Mist! Schon wieder eine endlos lange Tierarztrechnung. Und dabei ist mein Konto noch restlos leergefegt vom letzten drölffachen Schlüsselbeinbruch... Wenn das so weitergeht, packe ich Heinz-Hubert bald in Luftpolsterfolie ein & sperre ihn in eine Hochsicherheitsbox."

oder auch:

"Andreas! Der Heinz-Hubert guckt schief, du musst sofort den Tierarzt rufen, der hat bestimmt eine spastische Kolik! Beeil dich, gleich fällt er um!"
"Aber Elfriede, er ..."
"Moment. - Oh Gott, ANDREAS! Jetzt hat er auch noch aufgehört zu fressen! Hol den Hänger, wir fahren direkt in die Klinik!"

Na gut, das war ein bisschen übertrieben. Aber sind wir doch mal ehrlich: Wir Pferdemenschen neigen dazu, bei jedem Pups den Tierarzt zu fragen. Dabei muss der nicht immer bei jeder Kleinigkeit direkt ran - viele Probleme lassen sich easy selbst diagnostizieren & häufig sogar lösen, wenn man nur das nötige Know-how hat. Sicher, in manchen Fällen kommt man um den Tierarzt nicht drumrum, aber häufig kann man diesem eine Menge Arbeit abnehmen und so unnötige Kosten sparen.

Eine fortlaufende Beitragsserie rund um Diagnose, Symptome, Behandlung und Prävention der bekanntesten Pferdekrankheiten.


Die Weidezeit hat nicht nur gute Seiten - bei unzureichender Pflege oder auch ungünstigen Wachstumsbedingungen machen sich nicht selten Giftpflanzen auf den Koppeln breit, die den Pferden, aber vor allem den Besitzern das Leben schwer machen. Finden die Pferde nichts anderes zu fressen, müssen sie mit den giftigen Pflanzen vorlieb nehmen - und das meist zu Lasten des gesamten Körpers.

Wie du solche Vergiftungen frühzeitig erkennen und (im Anfangsstadium) sogar selbst behandeln kannst, lernst du in diesem Blogbeitrag.

Eigene Erfahrung

Bolero hatte vor einigen Wochen mit einer Graukresse-Vergiftung zu kämpfen, weil eine neue Koppel geöffnet wurde, etwa 70% der Fläche waren mit Graukresse bedeckt (trotz Spritzen). Nur an den Rändern wuchs Gras, allerdings stand die Herde immer mitten in der Senke und fraß büschelweise die Graukresse - offenbar war die besonders lecker?

Bereits nach 2 Tagen hatte das erste Pferd dicke Hinterbeine, am nächsten Tag 2 weitere (nämlich unsere beiden) und am Tag darauf waren es bereits 4 von 7 Pferden, die deutlich sichtbar dicke Beine hatten. Bolero fing außerdem verstärkt mit Durchfall an, was mir Sorgen bereitete. Nach kurzem Besprechen mit anderen Pferdebesitzern aus unserem Stall stand dann fest, dass es von der Graukresse kommen muss.

Wir haben daraufhin die Graukresse (bestmöglich) abgetrennt und ich habe für Bolero weitere Maßnahmen getroffen (siehe weiter unten) - 3 Tage später waren die Beine abgeschwollen und der Durchfall deutlich weniger.

Erste Symptome

Eine Vergiftung ist häufig sehr schnell äußerlich sichtbar, da der Pferdestoffwechsel sehr empfindlich ist. Zu Beginn kann die Leber die Giftstoffe meist gezielt rausfiltern und an die Umwelt abgeben (in Form von Kot und Urin) - werden aber immer mehr Gifte in den Körper aufgenommen, ist die Leber irgendwann überfordert und die Giftstoffe sammeln sich im Körper an.

Eine leichte Vergiftung im Anfangsstadium erkennt man gut an folgenden Symptomen (einzeln oder gemeinsam, häufige Symptome sind dickgedruckt):

  • untypisches Verhalten: Unlust, Müdigkeit, generelles Fehlen von Motivation; aber auch Unruhe
  • veränderte Atemfrequenz (normal in Ruhe: 9-16 Atemzüge pro Minute)
  • erhöhter Puls (Ruhepuls: 30 bis 40 Schläge pro Minute)
  • Anlaufen der Beine (siehe unten)
  • Durchfall und/oder Kotwasser

Solltest du eines dieser Symptome bei deinem Pferd beobachten, kannst du weitermachen mit der Erstbehandlung. Da diese auch präventiv angewendet werden kann und dem Organismus nicht schadet (im Gegenteil!), kannst du sie ohne Risiko jederzeit durchführen, wenn der Verdacht auf eine Vergiftung besteht. Zur Behandlung habe ich weiter unten etwas geschrieben.

Wie erkenne ich angelaufene Beine?

Trockenes Pferdebein vs. angelaufenes Bein

Normalerweise sind an den Pferdebeinen die Sehnen klar abgegrenzt sichtbar. Bei einer Vergiftung (aber auch bei einigen anderen Stoffwechselproblemen) schwillt dieser Bereich um die Sehnen an, sodass diese nicht mehr klar voneinander abzutrennen sind. Beim Anfassen der Beine spürt man weiches, schwammartiges Gewebe um die Sehnen herum, meist sind die betroffenen Beine auch unnormal warm bis heiß. Ein normales Pferdebein ist im Sehnenbereich eher fest und dünn, wenn du dort entlangstreichst.

Oben auf dem Foto siehst du links ein "normales" Pferdebein (in der Fachsprache: "trocken"), die Sehnen sind hier klar sichtbar; rechts dagegen ist ein (im Verhältnis zum linken Pferd) dickes Bein. Ob dein Pferd dicke Beine hat, merkst du am besten durch Anfassen oder indem du dir die Beine regelmäßig anschaust, um Veränderungen schnell zu sehen. Jedes Pferd hat nun mal andere Beine - und das Pferd auf dem rechten Bild hat vermutlich einfach solche Beine, sie sehen nur im Vergleich zu den sehr trockenen Beinen links dick aus.

Wo messe ich den Puls?

Den Puls kannst du an der Innenseite der Ganaschen fühlen. Dafür braucht es ein wenig Übung - mache es deshalb zum festen Bestandteil deiner Putzroutine, damit du im Ernstfall sicher bist. Du kannst auch den Tierarzt deines Vertrauens um Rat fragen, er/sie zeigt dir bestimmt, wie das geht.

Fortgeschrittene Vergiftungssymptome

Sollten die oben aufgeführten Zeichen einer Vergiftung unerkannt bleiben, nimmt die Belastung für den Pferdekörper immer weiter zu. Bei einer akuten Vergiftung treten diese Symptome einzeln, häufig auch gemeinsam auf:

  • verändertes, unruhiges Verhalten
  • unverhätnismäßig starkes Schwitzen
  • Schaumbildung vor dem Mund
  • schnelle, flache Atmung; Atemnot
  • Zittern, Zucken, Krämpfe
  • Durchfall bis hin zu Koliken

Sollte dein Pferd an diesen Symptomen leiden, ziehe sofort einen Tierarzt zurate. Du kannst dein Pferd natürlich trotzdem mit der unten erwähnten Behandlungsmethode unterstützen, aber bei starken Vergiftungen hilft nur noch die Behandlung durch den Tierarzt.

Erste-Hilfe bei einer leichten Vergiftung

Egal ob leichte Vergiftung oder akutes Problem - die unten aufgeführten Maßnahmen sind immer ratsam und durchaus sinnvoll, auch um die Wartezeit auf den Tierarzt zu nutzen. Bitte beachte, im Ernstfall nicht allein diese Maßnahmen durchzuführen und IMMER auch den Grund für die Vergiftung abzustellen!

Generelle Maßnahmen

Sinnvoll bei dicken Beinen ist es, diese zu kühlen (auch mit kühlenden Umschlägen (nicht zu fest, um Lymphstau zu verhindern!) oder speziellen Salben). Auch leichte Bewegung im Schritt ist super, denn sie kurbelt den Stoffwechsel an und hilft, Giftstoffe abzutransportieren.

Kräuter zur Entgiftung

Solltest du bei deinem Pferd eines oder mehrere der Symptome einer leichten Vergiftung feststellen, kann eine entgiftende Kräuterkur wahre Wunder wirken. Der Pferdeorganismus ist sehr sensibel, was Pflanzen angeht, weshalb du ihn mit bestimmten Kräutern ganz gezielt helfen kannst, ohne wie bei vielen Medikamenten mit Nebenwirkungen oder Chemiekeulen leben zu müssen.

In der freien Wildbahn haben sich die Pferde selbst die Pflanzen gesucht, die ihren Stoffwechsel unterstützten, aber in der heutigen Haltung ist das sehr schwer bis teilweise unmöglich. Deshalb müssen wir, als verantwortungsvolle Pferdebesitzer, unseren geliebten Vierbeinern die wertvollen Kräuter zufüttern, damit sich der Stoffwechsel regulieren kann. Die Kräuterfütterung kommt immer mehr zurück in die Köpfe der Menschen - und das ist auch gut so.

Also, welche Kräuter helfen denn bei der Entgiftung?

  • Löwenzahn - unterstützt die Leber, harntreibend
  • Brennessel - regt den Kreislauf und die Durchblutung an, fördert somit den Abtransport der Giftstoffe, stärkt das Immunsystem
  • Hanf - unterstützt den Stoffwechsel, regt die Durchblutung des Verdauungstraktes an
  • Birke - entgiftet die Nieren, blutreinigende Wirkung, Stärkung der Abwehrkräfte, harntreibend
  • Mariendistel - unterstützt die Leber und den Abtransport von Giftstoffen

In Kombination oder auch einzeln gefüttert sind diese Pflanzen unglaublich wertvoll für den Organismus des Pferdes und helfen dabei, eine Vergiftung schnell und unbeschadet zu überstehen. Wichtig ist natürlich, zusätzlich den Auslöser für die Vergiftung zu finden und zu entfernen - in unserem Fall war dies das Abstecken der Graukresse.

Auch ohne Vergiftungssymptome ist es hin und wieder sinnvoll, eine Entgiftungs- bzw. Entschlackungskur zu machen - denn eine effektiv arbeitende Leber ist auch notwendig für gute Leistungsfähigkeit und hilft gegen übermäßiges Körperfett.

Kategorien: Pferdegerecht | Schlagworte: Erste Hilfe, Fütterung, Immunsystem, Kräuterfütterung

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