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Gebisslose Zäumungen und ihre Wirkung #2

28.05.2020

Das gebisslose Reiten wird heutzutage immer aktiver diskutiert und viele bezeichnen es als "die sanfte und pferdefreundliche Art des Reitens". Tatsächlich können gebisslose Zäumungen viele Probleme wie Head-Shaking, Einrollen, Sperren, Aushebeln und Entzug der Hilfen beheben. Außerdem geben sie dem Reiter ein ehrliches Feedback, welche Baustellen noch vorhanden sind und eignen sich somit als optimale Ergänzung oder sogar als Alternative zum Reiten mit Gebiss.

Im zweiten (und letzten) Teil dieser Reihe erkläre ich dir die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und häufigen Fehler mit den gebisslosen Alternativen Cavemore, Halfter, Halsring und Bitless Bridle.

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Dies ist der zweite Teil der Serie zu den Arten von gebisslosen Zäumungen. Solltest du den ersten Teil noch nicht gesehen haben, dann schau ihn dir gerne noch an. Ich gehe darin auf die Zäume Bosal, Sidepull, Hackamore, Kappzaum, Knotenhalfter und LG-Zaum bzw. Glücksrad ein.

Wenn dich außerdem interessiert, warum gebisslos nicht für jedes Pferd geeignet ist, dann lies dich gerne mal rein. Vor kurzem habe ich zusätzlich Stellung zum Fahren ohne Gebiss genommen.

Jetzt geht´s aber los! :)

Cavemore

Das Wort Cavemore setzt sich zusammen aus "Cavecon" (das entspricht einem Kappzaum ohne Naseneisen) und "Hackamore" - gemeint ist die mechanische Hackamore, auf die ich bereits im ersten Teil eingegangen bin.

Das Cavemore vereinigt diese beiden Zäumungen und ermöglicht somit ein feines Reiten mit vier Zügeln - zwei am Cavecon und zwei an der Hackamore. Man kann es vergleichen mit dem Reiten mit Wassertrense und Kandare - man hat sowohl eine Hebelwirkung durch die Hackamore als auch seitliche Hilfengebung zum Biegen durch den Cavecon.

Diese Zäumung ermöglicht dem Reiter daher, das Pferd leicht aufzurichten und gleichzeitig auch biegende Hilfen zu geben. Es ist gut geeignet für dressur-ambitionierte Reiter-Pferd-Paare und dazu noch total chic, wenn ihr mich fragt!

Natürlich kann man auch nur mit zwei Zügeln reiten, um nur Kappzaum-Wirkung oder nur Hackamore-Wirkung zu haben.

Halfter

Es gibt verschiedene Halfter - ganz simple aus Nylon, andere mit Fell und wieder andere aus Leder. Manche sind um die Nase oder in ihrer Länge verstellbar, was beim Reiten mit Halfter vorteilhaft ist.

Damit man mit Halfter reiten kann, sollte es gut passen und nicht zu sehr rutschen. Es darf nicht zu tief liegen oder zu groß sein, sonst werden die Hilfen schwammig und du kannst deinem Pferd auch wehtun.

Stattdessen sollten, wie bei allen Nasenriemen, zwei Finger zwischen das Halfter und die Nase passen. Im Idealfall sollte es etwa 2 Finger breit unter dem Jochbein sein, um keine empfindichen Nerven zu stören.

Insgesamt ist das Reiten mit Halfter eher etwas für "mal schnell draufhüpfen" mit sicheren Pferden sowohl im Gelände als auch zu entspannten Platzeinheiten. Dein Pferd sollte die Grundlagen kennen und eher wenig Feuer unterm Hintern haben, denn ein Halfter ist eher ungeeignet, dein Pferd im Notfall zum Stehen zu bekommen.

Wenn du mit Halfter reitest, achte auf eine gute Passform und schnalle die Zügel so ein, dass sie dein Pferd nicht stören (gerade bei Snap-Zügeln passiert das manchmal). Du kannst natürlich auch einfach einen Strick zusammenknoten und als Bosal benutzen (siehe erster Teil).


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Bitless Bridle

Das Bitless Bridle ist eine weit verbreitet gebisslose Zäumung, bei der die Zügel ähnlich wie beim Sidepull verschnallt sind, aber zusätzlich unter dem Kinn überkreuz durchgeführt werden. Dadurch wirkt es je nach Grad der Einwirkung auf Ganaschen, Genick und Nasenrücken. Die überkreuzten Riemen rahmen das Pferd an den Ganaschen ein und erleichtern so das Biegen, da das Pferd dem Druck weicht. Außerdem kann man durch die Einwirkung im Genick aktiv ein Vorwärts-Abwärts auslösen.

Die Zügel gleiten hierbei durch die Ringe, wodurch auch ein Nachgeben möglich ist. Wichtig ist vor allem, auf gute Qualität zu achten, damit dies wirklich gewährleistet ist. Ein schlecht verarbeiteter Zaum oder unpassende Zügel können das Gleiten beeinträchtigen oder sogar verhindern und somit feines Reiten unmöglich machen.

Halsring

Das Reiten mit Halsring gewinnt im Pferdesport immer mehr an Interesse und wird als absoluter Vertrauensbeweis zwischen Pferd und Reiter gesehen. Tatsächlich sieht man leider oft, dass er falsch verwendet wird - denn auch ein Halsring kann dem Pferd schaden!

Zum "fortgeschrittenen", feinen Reiten empfiehlt es sich, einen festen Halsring mit Kern zu kaufen, da die weichen in ihrer Hilfengebung meist sehr schwammig sind. Für Einsteiger ist ein weicher Halsring jedoch gut, da er Fehler verzeiht und beide Parteien sanft an die neue "Zäumung" heranführt.

Beim Reiten mit Halsring werden die Hilfen wie beim Neck-Reining gegeben. Liegt der Halsring rechts am Pferdehals an, weicht das Pferd nach links und umgekehrt. Man kann auch aufrichtende Impulse nach oben geben. Durch die Lage an der Pferdebrust löst der Halsring bei den meisten Pferden einen Reflex aus, der zum Absenken des Kopfes führt. Deshalb eignet er sich auch als zusätzliche Hilfe bei Pferden, die sich nach oben raus hebeln.

Das primäre Reiten sollte beim Halsring über Sitz und Stimme ablaufen, da die Hilfengebung hier sehr eingeschränkt ist. Zu Beginn solltest du mit deinem Pferd nur auf eingezäunten Flächen und mit einem Notfallzaum üben, um Sicherheit zu haben. Mit dem Halsring kannst du in allen Disziplinen unterwegs sein, wenn dein Pferd darauf gut reagiert. Sowohl in der hohen Dressur als auch im Springen sind Halsringe verwendbar - und auch als Wald- und Wiesenreiter kann man sie nutzen.

Der Halsring muss zwingend auf Höhe der Pferdebrust / am Halsansatz (Widerristhöhe) verwendet werden. Oft sieht man die Verwendung am oberen Teil des Halses, Richtung Kopf. Dies ist schädlich und schmerzhaft fürs Pferd, denn dort führt die Luftröhre lang.

Wer hier zieht, kann seinem Pferd die Luft abschnüren und auch Verletzungen des Luftkanals hervorrufen!

Bitte beachte das und korrigiere (freundlich) auch andere Reiter, bei denen du das beobachtest.

Das waren alle gängigen gebisslosen Zäumungen. Wenn du weitere Fragen hast, dann stelle sie mir gerne in den Kommentaren oder schreibe mir eine kurze E-Mail an info@einfach-einhorn.de

Kategorien: Pferdegerecht | Schlagworte: Abwechslung, Alternativen zum Reiten, arten von, erfahrung, gebisslos, gesundheit, neue Sichtweise, pferd, pferdegerecht, pferdetraining, Probleme mit dem Pferd, Reiten, Trainingsimpulse, Wissenschaft

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