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Gebisslos fahren - Total unverantwortlich oder absolut genial?

01.02.2020

Dieser Beitrag ist Teil 4 von 4 der Artikel-Serie "Gebisslose Arbeit mit dem Pferd"

Seit einiger Zeit arbeite ich mit Bolero am großen Ziel Kutsche fahren, wir üben Langzügelarbeit und Schleppe fahren. In letzter Zeit kam immer wieder der Gedanke hoch, dass er es gebisslos angenehmer finden würde. Aber natürlich fragt man sich dann: Ist das überhaupt sicher? Was, wenn er durchgeht? Auch ich habe mich das gefragt - aber Bolero hat mir gezeigt, dass diese Angst unbegründet ist und sogar völlig deplatziert. Tatsächlich ist das gebisslose Fahren für mich und Bolero vermutlich sicherer... Du willst wissen, warum?

Bolero und das Gebiss

Das letzte Jahr war für Bolero und mich voller Höhen und Tiefen, wir haben viele neue Dinge angefangen - auch das Fahren bzw. die Langzügelarbeit als Vorbereitung darauf.

Im Sommer nutzte ich ganz simpel zwei lange Horsemanship-Seile als Langzügel und den Kappzaum und machte so mit ihm den Wald unsicher, im November legten wir uns dann endlich ein Geschirr zu, starteten das Schleppentraining und nutzten die neue Fahrtrense mit einer "Springkandare". Boleros Reaktion darauf war von Anfang an sehr ablehnend: Einrollen und Sperren waren die Folge. Er gewöhnte sich aber bereits nach zwei kurzen Einheiten an das Gebiss und lief wieder "normal". Man muss dazu sagen, dass die Leinen grundsätzlich durchhingen und nur im Falle einer Kurve bzw. Anhalten angenommen wurden, es lag also kaum Druck auf dem Gebiss.

In den letzten Einheiten Mitte Januar machte er mir dann sehr freundlich deutlich, dass er das Gebiss trotzdem nicht leiden konnte - er versuchte, sich der Trense zu entziehen, riss den Kopf hoch und schob seine Nase zwischen den Nasenriemen und das Gebiss. Mir wurde klar, er wollte gerne fahren, gerne arbeiten. Aber mit Gebiss? Eher nicht.

Meinen Beitrag zum "Nein-sagen" beim Pferd findest du hier.

Bolero wurde und wird ja grundsätzlich gebisslos gearbeitet, nur beim Fahren war uns das zu unsicher, denn ich hatte nur einen Kappzaum. Wenn er losrennen sollte, wie soll man ihn denn halten? Da war uns ein Gebiss einfach "sicherer" und da es direkt mit dem Geschirr verkauft wurde, stellte das kein Problem dar.

Einfach mal ausprobieren...

Ich habe schon vorher mit dem Gedanken gespielt, ihn gebisslos zu fahren. Er schien sich nie wohlzufühlen mit dem Gebiss, auch wenn er das für Außenstehende vielleicht tat. Nachdem er mir also so deutlich gezeigt hatte, dass er kein Gebiss wollte, entschied ich relativ spontan beim nächsten Schleppentraining, den Kappzaum statt der Fahrtrense anzulegen.

Ich muss gestehen, ich hatte Respekt davor, ihn so zu fahren. Nicht wegen der "fehlenden Sicherheit", sondern weil Bolero beim letzten Mal ohne Scheuklappen durchgegangen war, als er die Schleppe hinter sich gesehen hatte. Er hat Panik bekommen und war absolut unkontrollierbar gewesen - mit der Schleppe dran und nur an Strick und Halfter...

Als ich also mit dem Kappzaum loszog, war ich gespannt und auch vorbereitet auf seine heftige Reaktion. Ich fasse es kurz: Sie blieb aus. Bolero zog los, als hätte er nie was anderes getan. Mit einer Menge an Motivation und Selbstverständlichkeit ließ er sich lenken und hielt an, ohne dass ich überhaupt Leinenverbindung herstellen musste, ein leises "Brrrr" reichte und er stand.

Hinzu kam, dass er während des Fahrens mit Gebiss bereits nach 5 Minuten nicht mehr konnte und seine Atmung sehr schnell und flach wurde. Dieses Problem, dass ich auf fehlende Ausdauer geschoben hatte, war mit dem Kappzaum komplett verschwunden. Bolero atmete auch nach einer ganzen Stunde noch entspannt und tief.


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Mein Fazit

Ich verstehe den Aspekt der Sicherheit im Bezug auf das Kutschefahren sehr gut - schließlich hängt da ein Fahrzeug an dem Pferd, das eine Menge Schaden anrichten kann, sollte es durchgehen. Wenn ein Pferd auf dich zukommt, weichst du aus, aber eine Kutsche?! Dennoch finde ich, dieses Argument sollte überdacht werden, wenn das gebisslose Fahren definitv eine Verbesserung des Gehorsams mit sich bringt. Mit Gebiss brauchte das Anhalten Stimmhilfe, starke Leinenaufnahme und einige zusätzliche Schritte, bis Bolero schließlich für wenige Sekunden stehen blieb. Mit dem Kappzaum reichte eine Stimmhilfe und auch das Lenken klappte flüssiger und mit mehr Motivation seinerseits.

Unter diesen Bedingungen kann ich mich deutlich für das gebisslose Fahren aussprechen, denn man sollte dies nie fahrlässig mit einem unzureichend ausgebildeten Pferd tun, weder mit Gebiss noch ohne. Vielmehr spielt eine Rolle, wie es ausgebildet wurde. Da Bolero die Langzügelarbeit und auch alles andere nur mit Kappzaum bzw. gebisslos kannte, ist dies hierbei meist auch die bessere Wahl. Wichtig ist auch, zu entscheiden, was für das Pferd am besten ist. Welches Gebiss; oder eben welche gebisslose Zäumung. Die verschiedenen Arten stelle ich dir hier vor.

Ich finde auch, dass dies je nach Pferd sehr individuell entschieden werden muss. Man kann nicht pauschal sagen, dass das Eine oder das Andere besser ist. Darüber hatte ich vor kurzem schonmal etwas geschrieben: Warum gebisslos nicht automatisch besser ist.

Was ich damit sagen will: Hinterfragt öfter mal, ob eure Ansichten wirklich wahr sind. Ist Fahren bzw. Reiten mit Gebiss wirklich sicherer? Trifft das auf alle Pferde zu, oder vielleicht nur auf deins?  Spread love, not hate ...und denkt nach, bevor ihr eure Ansichten verallgemeinert :)

Was meint ihr dazu? Gebisslos fahren - völlig absurd oder total normal?

Kategorien: Pferdegerecht | Schlagworte: Alternativen zum Reiten

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