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Die Pille - Warum viele sie nehmen (und wieder absetzen)

15.08.2019

Die Pille. Von vielen geliebt, von vielen gehasst. Ich zähle mich eher zum Zweiteren und das, obwohl ich sie selbst fast 1 Jahr lang genommen habe. Warum das ganze so gelaufen ist?Naja, anfangs wollte ich die Pille als Verhütungsmittel nutzen, da sie im Internet immer angepriesen wurde, dass sie ja "so sicher" und absolut "einfach in der Anwendung" sein soll. Außerdem wurden mir ganz viele tolle Nebeneffekte wie ein klareres Hautbild, leichtere Regelblutung, keine oder zumindest nur noch leichte Krämpfe, größere Brüste, geregelter Zyklus und, und, und. Ich könnte diese Liste vermutlich ewig so weiterführen, und auch dir fällt sicherlich noch mehr ein, was die Pille alles tolles machen kann.

Natürlich bin ich auch skeptisch an das Thema gegangen und habe mich zuvor auch über die eventuellen Nachteile informiert. Boom, im Internet gibt es zwei Fraktionen: die einen lieben die Pille und schwärmen über sie und ihre Vorteile, die anderen bereuen, sie jemals genommen zu haben.

Naja, ich erfuhr so Sachen wie: Die Pille macht unfruchtbar, weil sie durch die Hormone die Blutung nur vortäuscht, es ist durch den Abfall des Hormonspiegels also für den Körper quasi eine "Fehlgeburt". Der Körper würde wohl aus diesen Ereignissen lernen und dies führt langfristig zur Unfruchtbarkeit.

Okaaaay, dachte ich mir, und fragte im Beratungsgespräch den Frauenarzt, was er dazu sagt. Seine Antwort war sehr ausweichend und um den heißen Brei herum, aber seine Einstellung dazu war eher so "absoluter Bullshit". Daraufhin fragte ich ihn, ob denn die Pille die Regelblutung nur vortäuscht. Wieder nur Ausweichen. Aber durch kompetente Internetseiten (ja, sowas gibts!) erfuhr ich dann, dass das tatsächlich der Fall ist. Die Pille gibt kontinuierlich Hormone an den Körper ab. Wenn diese dann in der 4. Woche fehlen, dann erfolgt eine Entzugsblutung. Der Körper ist dann "überfordert" und eine Blutung setzt ein.

Es gibt aber auch in den verschiedenen Berichten zahlreiche Nebenwirkungen zu verzeichnen: Über Übelkeit, Spannungsgefühl in den Brüsten und Gewichtszunahme bis hin zu einem erhöhten Thromboserisiko. Dabei unterscheidet man zwischen den "neuen" und den "alten" Pillen, die neuen mit einem deutlich höheren Risiko und mit "Zusatzfunktionen" wie reiner Haut, glänzenderem Haar etc. Die alten Pillen weisen ein deutlich geringeres Thromboserisiko auf, aber auch sie erhöhen es stark.

Hier könnt ihr euch bei Interesse nochmal sachlich und (realtiv) neutral zur Pille informieren.

Jetzt fragt ich euch sicher: Wie viele der erhofften Vorteile sind bei mir eingetroffen? Naja, genau gesagt... NULL. Weder ein verbessertes Hautbild noch weniger Regel geschweige denn keine Regelschmerzen mehr. Nur die Regelmäßigkeit meines Zyklus war jetzt kontrollierbar.

So fing es an

Am Anfang des Prozesses habe ich die Pille mehrfach gewechselt. Die erste Pille war eine von den "alten" mit geringerem Thrombose-Risiko. Das Einnehmen klappte auch prima, aber immer nach der Pause am ersten Tag der Einnahme wurde mir schlecht. Richtig schlecht. Und natürlich auch immer während der Unterrichtszeiten. Einmal musste ich mitten in der Stunde die Schultoilette aufsuchen und mich übergeben. Etwa 4 Mal, also ganze 4 Monate, hielt ich das durch, dann sprach ich meinen Frauenarzt an und bekam eine der "neuen" Pillen. Den Unterschied zwischen neuen und alten Pillen bekam ich kurz darauf zufällig durch einen Bericht mit. Da ich nicht gerade scharf darauf war, ein noch höheres Thromboserisiko zu haben, bat ich meinen Frauenarzt, doch bitte eine andere zu nehmen. Seine Reaktion: "Das ist Schwachsinn. Diese ganzen Studien sind nur darauf aus, unser Geschäft zu schädigen. Das Risiko ändert sich nicht, nur die Testbedingungen waren einfach anders. Außerdem hast du auf das andere Gestagen mit Übelkeit reagiert, deshalb solltest du mal was anderes probieren." Okay, dachte ich mir, dann also so. Auch okay.

Die neue Pille mit neuen Nebenwirkungen

Diese Pille brachte dann zwar keine Übelkeit mehr, dafür aber das volle Programm an sonstigen Nebenwirkungen: schmerzhaftes Spannungsgefühl und Wassereinlagerungen in den Brüsten, immer wieder ein unglaublich schmerzhafter Abszess in der Leistengegend, der sich im Nachhinein als entzündete Drüse herausstellte, und schwere Stimmungstiefs.

Am Anfang kamen sie recht unregelmäßig alle 2-3 Tage, dann konnte es tatsächlich passieren, dass ich nachhause kam und einfach auf meinem Bett zusammenbrach und gut eine Stunde heulte. Warum? Keine Ahnung, aber ich fühlte mich unglaublich traurig, verletzt und kaputt. Mein Kopf erfand sich dann natürlich Gründe, sodass ich immer mehr in eine Abwärtsspirale gelangte. Gut 3-4 Wochen lang kam ich jeden Nachmittag nachhause und heulte, teilweise heulte ich mich in den Schlaf. Dass das mit der Pille zu tun haben könnte, fiel mir erst hinterher auf. Zu dieser Zeit wurde dieses unglaublich negative Gefühl auf meinen Freund projiziert.

Sobald er etwas sagte oder tat, was mich auch nur irgendwie verletzen könnte, fing ich an zu heulen. Ich war unglaublich labil. Wenn ich mich mit ihm traf, dann kreisten meine Gedanken und redeten auf mich ein, immerzu: "Vielleicht trefft ihr euch heute zum letzten Mal...", "Er liebt dich doch gar nicht mehr...". Ihr könnt sicher verstehen, dass ich in diesem labilen Zustand häufig vor ihm in Tränen ausgebrochen bin, egal wann und wo. Ich glaube, er war mit dieser Tatsache heillos überfordert, aber er war immer für mich da, auch wenn ich ihm nie gesagt habe, warum. (Wenn du das hier liest: Danke.) Auch die Eifersucht auf andere Mädchen verschlimmerte sich extrem - er durfte eigentlich nicht mal mehr jemanden ansehen ohne dass ich es verletzend fand und Verlustängste bekam.

Aus diesem Tief heraus schaffte ich es zwar einigermaßen, aber die Verlustängste und damit auch das Heulen bei jedem Abschied blieben. Das ging natürlich nicht nur mir sondern auch irgendwann meinem Freund auf die Nerven. Zu dieser Zeit war ich aber aus anderen Gründen kurz davor, die Pille abzusetzen, weshalb ich ihm versprach, dass das bald aufhören würde und redete auch mit ihm über meine Vermutungen, dass es von der Pille kommen würde.

Die anderen Gründe

Sicher wollt ihr nun auch noch wissen, was denn meine anderen Gründe für das Absetzen waren. Ein Hauptgrund waren natürlich die bereits oben genannten Nebenwirkungen. Hinzu kam, dass ich mich zunehmends schwach und krank fühlte und öfter das Gefühl hatte, keine Luft zu bekommen. Dies machte mir mächtig Sorgen, denn hinzu kam gegen Ende tägliches Stechen im Herzbereich kombiniert mit Luftproblemen. Es lässt sich schwer beschreiben, es war nicht so, dass ich nicht atmen konnte, die Atmung setzte vielmehr einfach für eine Sekunde aus und ein seltsames, unangenehm taubes Gefühl machte sich in meiner Brust breit.

Als dies über zwei Wochen so ging, habe ich die Pille von einem Tag auf den anderen abgesetzt. Ohne es vorher mit meinem Frauenarzt zu besprechen, denn der war für mich weder neutral informierend gewesen, noch hatte er mir so wirklich zugehört geschweige denn mich ernstgenommen. Doch dazu ein anderes Mal mehr. Heute, etwa ein halbes Jahr später, geht es mir gut. Natürlich kommt mein Zyklus wieder unregelmäßig, aber sonst hat sich nichts "verschlechtert". Im Gegenteil. Heute vor einem Jahr hatte ich meine "depressive Phase", heute geht es mir gut und ich bin glücklich, obwohl das Universum momentan sehr viele psychisch anstrengende Challenges für mich hat. Der Abszess ist weg, die Wassereinlagerungen weg, die Atemstörungen und das Stechen in der Herzgegend ebenfalls (auch wenn das ganz schön lange gedauert hat...), mein Hautbild wie immer, meine Haare wie immer, meine Brüste auch nicht kleiner als während der Zeit, in der ich die Pille genommen habe, aber nicht mehr spannig.

Alles in allem bin ich ein glücklicherer Mensch ohne Pille und kann bis heute nicht verstehen, weshalb manche Menschen freiwillig Hormone einnehmen... Ich möchte damit natürlich niemanden angreifen, ich kenne selbst einige Leute, die nie solche Probleme wie ich hatten und die Pille seit 5 Jahren ohne ein einziges Problem nehmen. Ich weiß nur, dass mein Körper sich strikt gegen die Pille gewehrt hat, und ich habe darauf reagiert.

Ich möchte euch nicht verbieten, die Pille oder andere Hormonpräparate zu nehmen, ich möchte nur, dass ihr darüber nachdenkt, was ihr eurem Körper da antut und gut darauf achtet, welche Signale ihr erhaltet. Wählt weise, denn ihr habt nur einen Körper! :)

Ganz liebe Grüße und einen schönen Abend, eure Toni

1312 Wörter, uff!

Kategorien: Gesundheit | Schlagworte: erfahrung, gesundheit, glück, medizin, pille, Wissenschaft

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