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Blickschulung - Die Basics: Das Pferd im Stand

08.09.2020

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 4 der Artikel-Serie "Blickschulung - Gesunde Bewegung"

Hm, sieht das jetzt gesund aus? Und viel wichtiger: Ist es das auch?
Eine wirklich wichtige Frage, die sich jeder Pferdemensch regelmäßig stellen sollte, um sein Pferd gesunderhaltend zu arbeiten. Denn, wie wir alle wissen: Auf der Vorhand rumschlurfen ist ungesund für die Gelenke und die Muskulatur.

Aber, wie genau erkennt man denn, ob ein Pferd auf der Vorhand ist? Ob es sich real versammelt? Ob der Rücken mitarbeitet und der Kopf vor der Senkrechten ist?

In dieser fortlaufenden Blogserie (1x wöchentlich, nämlich immer dienstags) werde ich euch die Möglichkeit geben, euren Blick für gesunde Bewegung zu schärfen und "falsche Freunde" schneller und sicherer zu entlarven.

Weil gesunde Bewegung glücklich macht! :)


In den kommenden Beiträgen werden wir zuerst einmal die Basics klären. Hierfür werde ich euch diverse Info-Grafiken bereitstellen, um das Erklärte zu zeigen. Voraussichtlich ab Oktober starten wir dann mit den eigentlichen Analysen - zuvor wird aber die Frage geklärt: "Was kann ich denn überhaupt alles ablesen?"

Heute starten wir direkt mit einigen Analysen verschiedener Pferde im Stand.

Das Skelett eines perfekten Pferdes

Zu Beginn möchte ich einmal ein Skelett von einem theoretischen, optimal gebauten Pferd zeigen. Auf die dargestellte Linie gehe ich im Verlauf dieses Beitrags mehrmals ein, du brauchst sie jetzt erstmal nicht weiter beachten.

Pferdeskelett

Pferd Nummer 1

Los geht´s also mit einem sehr anschaulichen Beispiel:

Pferd Blickschulung

Gehen wir die Linien einmal im Einzelnen durch:

Rote Linie
Die rote Linie verbindet die oben im Skelett rot markierten Gelenke. Bei einem optimalen (theoretischen) Körperbau liegen diese Gelenke auf einer horizontalen Ebene - also auf derselben Höhe, wie man oben sehen kann. Bei den heutzutage gezüchteten Sportpferden ist diese Linie aber nach vorne stark abfällig - die Hinterhand "fällt" noch zusätzlich auf die Vorhand.

Diesen Körperbau kann man zwar nicht komplett verändern, aber sehr wohl positiv und negativ beeinflussen. Das würde jetzt aber den Rahmen dieses Beitrags sprengen :)

Gelbe Linie
An der gelben Linie lässt sich ablesen, ob das Pferd überbaut ist. Sollte der höchste Punkt der Kruppe (Hinterhand) höher liegen als der Widerrist, ist das Pferd überbaut. Die Rückenlinie fällt nach vorne ab.

Dadurch fällt zusätzliches Gewicht auf die Vorhand. Vor allem Jungpferde sind während des Wachstums meist überbaut, da die Hinterhand schneller wächst als die Vorhand. Bei den meisten Rassen gibt sich diese Tatsache aber mit der Zeit, manche haben ihr Leben lang damit zu tun - aber mit dem richtigen Training kann man die Schäden abmildern.

Dieses Pferd ist an der Grenze, noch sind Kruppe und Widerrist gleich hoch, aber das richtige Training ist hier wichtig, damit sich diese Tatsache nicht noch weiter verschlimmert.

Schwarze & Graue Linie
Auf dem Bild ist deutlich sichtbar, dass das Pferd seine Hinterhand nach hinten rausstellt, es steht also mit der Hinterhand nicht unter der Last, sondern eher schräg, womit es die Last wieder vermehrt auf die Vorhand schiebt.

Die graue Linie zeigt, dass die Vorderbeine leicht rückständig stehen, um die zusätzliche Last besser zu tragen. Sie stehen nicht senkrecht, sondern leicht unter den Pferdekörper geschoben. Auf dem Bild ist das nur sehr gering ausgeprägt, sollte aber dennoch erwähnt werden.

Fazit im Stand
Das abgebildete Pferd ist stark vorhandlastig. Der Körperbau und das Nach-hinten-rausstellen der Hinterhand begünstigen diese ungleiche Gewichtsverteilung zusätzlich. Insgesamt sollte dieses Pferd möglichst mit hoher Aufrichtung und viel Hinterhandaktivität geritten bzw. gearbeitet werden - beim Vorwärts-abwärts sind Probleme vorprogrammiert. Es sollte lernen, die Hinterhand mehr zu belasten, damit diese unter den Pferdekörper gestellt werden kann und so reell Last aufnimmt.

Pferd Nummer 2

Pferd Blickschulung

Das zweite Pferd dieses Beitrags ist deutlich harmonischer gebaut als das Erste. Gehen wir die Linien wieder im Einzelnen durch:

Rote Linie
Die rote Linie ist, wie auch oben im Skelett zu sehen, nahezu perfekt. Nur wenige Grad Unterschied sind zwischen den zwei Gelenken, das Gewicht kann also stabiler ausbalanciert werden und auch die Hinterhand kann besser Last aufnehmen.

Schwarze & graue Linie
Die schwarze Linie ist die Linie, an der die Hinterhufe stehen sollten (zumindest in etwa). Die Hinterhufestehen jedoch weiter hinten, wodurch sie zwar mehr Last aufnehmen als das erste Pferd, aber immer noch nach hinten rausgestellt sind.

Die graue Linie zeigt das Lot der Vorderbeine. Hier lässt sich deutlich eine Rückständigkeit erkennen - die Vorhand ist unter den Rumpf geschoben, um die zusätzliche Last zu tragen.

Fazit im Stand
Das oben abgebildete Pferd hat gute Voraussetzungen, um sich zu versammeln und die Hinterhand zu belasten. Allerdings steht es vorne rückständig und die Hinterhand ist nach hinten rausgeschoben, wodurch es auch eher vorhandlastig ist. Der Rücken ist fast gerade, die Krupper liegt tiefer als der Widerrist. Mit dem richtigen Training lässt sich hier schnell eine Verbesserung einstellen. Insgesamt ist der gesamte Körperbau deutlich harmonischer als der des ersten Pferdes.

Das ist alles, was ich euch diese Woche an Input mitgeben möchte. Nächste Woche werden wir uns dann vermutlich die ersten Pferde in Bewegung ansehen, oder ich gehe nochmal auf bestimmte Körperteile genauer ein.

Hast du einen bestimmten Wunsch? Willst du mir ein Bild deines Pferdes schicken, damit ich es in einem der kommenden Beiträge analysieren (lassen) kann? Kommentiere gerne diesen Beitrag, auch wenn du Fragen hast! Ich freue mich über jeden Kommentar (und der Algorithmus übrigens auch ;) )!

Kategorien: Pferdegerecht | Schlagworte: Blickschulung

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